Intuition spielte in meinem Leben immer eine große Rolle und hat mich durch viele Lebenssituationen im privaten und beruflichen Leben treu begleitet.
Im Jahr 1954 habe ich einen Auftrag für eine kleine Elektrofabrik in Bonndorf ausgeführt.
Die Baustelle war 180 km von meinem Wohnhaus entfernt und ich entschied mich für ein Hotel.
Es war ein gemütliches kleines Hotel im Schwarzwaldstil. Abends habe ich mit mehreren mir bereits bekannten Handwerkern und Bauern ein leckeres Glas Wein getrunken und bin gut gelaunt in meinem Zimmer eingeschlafen.

In der Nacht wachte ich plötzlich auf mit dem eindringlichen Gedanken, dass ich sofort zur Baustelle fahren muss. Auch wenn ich wollte, konnte ich nicht weiter schlafen – bin aufgestanden, in meinen Wagen gestiegen und fuhr durch die Nacht zu meiner Baustelle.

Das war eine Halle, wo am Vortag die Decke gegossen worden war. Als ich angekommen war, sah ich, dass die ganze 2500 m2-Konstruktion bereits schräg stand. Offensichtlich war sie durch die Bauarbeiter nicht richtig verschwertet worden, bevor der flüssige Beton reingegossen wurde. Dadurch war die Konstruktion nicht ausreichend gestützt, und als der Beton trocknete, ist es zu einer Verspannung gekommen. Noch ein paar Stunden, und die Halle wäre nicht mehr zu retten. Ein Desaster für das Projektbudget – Abriss, erneuter Aufbau etc.

Ich musste etwas tun, um den Bau zu retten, und ich bin zum Bürgermeister gefahren. Um diese Zeit schlief er natürlich bereits. Doch ich habe an sein Fenster geklopft, bis er öffnete und mich mit verschlafenen Augen und nicht ohne Verwunderung angesehen hat. Was ihm dabei durch den Kopf ging, möchte ich gar nicht wissen.
Lange nachdenken konnte er aber nicht, da ich ihn direkt mit meinen Anforderungen überfallen habe. „Sie müssen Leute holen! Wir brauchen dicke Ketten und Seile! Man muss ganz schnell anspannen, bevor es zu spät wird! Kommen Sie, schnell! Wir müssen die Halle senkrechtziehen!“

Er hat mir geholfen. Die Leute kamen und legten die Seile um die ganze Halle, es wurde mit Baugeräten und Trucks gezogen und die Halle wurde gerettet. Diese Nacht- und Nebel-Rettungsaktion war wirklich etwas Besonderes. Stellen Sie sich ein zweieinhalbtausend Meter großes Gebäude umwickelt mit Ketten und Seilen vor. Das Ganze wird mit mehreren Trucks in Gaswolken bei höllisch brummenden Motoren gerade gezogen, es wird geschrien und geschimpft.

Jetzt kann ich darüber lachen und ich habe eine tolle Geschichte mehr, an welche ich mich erinnern kann. Nicht zuletzt wegen eines prächtigen Schlusstrunks, nachdem die Halle wieder gerade stand.